KAPITEL 1

Sie stand mit dem Rücken an die Wand gepresst und beobachtete die schleusenartige Türöffnung auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes, ein etwa zwei Meter hohes schwarzes Oval, welche sich erst vor einigen Sekunden geschlossen hatte. Der Raum schien gleichmäßig von einem diffusen Licht erleuchtet, verfügte jedoch über keinerlei erkennbare Lichtquellen. Die Wand hatte eine angenehme Temperatur und es fühlte sich an, als ob sie sich den Konturen ihres nackten Rückens anpaßte, obgleich sie aus einem gräulichen Metall zu bestehen schien. Die Übergänge zu Decke und Fußboden waren fließend und auch sonst schien es keinerlei Fugen oder Konturen zu geben, nur ein gleichmäßig fließendes Grau, welches sich in perfekter Symmetrie in alle Richtungen ausbreitete. Das Atmen fiel ihr schwer und es gelang ihr nur unter äußerster Anstrengung so viel Sauerstoff in ihre Lungen zu saugen, um nicht das Bewußtsein zu verlieren. Der Gestank welcher die zähe Luft durchsetzte erinnerte Sie an eine Melange aus verwesendem Fleisch und verbrennendem Plastik, hatte jedoch auch eine ebenso betörende süßliche Note, etwas Vertrautes, Alterwürdiges. Sie kannte diesen Ort und hatte keine Angst, diese hatte Sie bereits vor Jahren verloren. Alles was Sie verspürte war eine ohnmächtige Wut...

Sie trat einen Schritt nach Vorn und löste ihren Rücken von der Wand, ihren Blick starr auf das schwarze Oval gerichtet, welches nun immer größer wurde und immer mehr der grau-metallenen Masse zu verschlingen schien. Sie taumelte, doch ihre Füße waren so fest mit dem Boden verbunden, daß der erlösende Fall ausblieb. Alice war gezwungen ihre letzten Kräfte aufzubringen um ihren geschwächten Körper aufrecht zu halten, während sich das Schwarz immer schneller um Sie herum ausbreitete, und von all ihren Sinnen Besitz ergriff. Sie lag nackt auf einem Metalltisch, Arme und Beine wurden durch Klammern in Position gehalten, obwohl ihr das niemals nötig erschienen war, denn die Tischplatte schien exakt der Form ihres Körpers nachempfunden, und jedes Mal wenn sie hier lag, hatte sie das Gefühl, daß es ihr unmöglich wäre sich auch nur einen Millimeter zu bewegen. Selbst die Narben an ihren Handgelenken, welche sie immer spürte, wenn sie mit irgendetwas in Berührung kamen, schienen in diesem warmen Metall ihren festen Platz zu haben...


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